Was wäre, wenn sich die Überwachung der gesamten Bevölkerung etabliert und nicht nur Geheimdienste sondern auch andere Behörden auf Verbindungs- und Metadaten zugreifen können? So könnte ein richtig fieser Montag im Jahr 2020 aussehen.

Mein Smartphone weckt mich um 06:30 und schaltet automatisch die Heizung im Badezimmer an, auf der mein Duschhandtuch hängt. Einen Augenblick später läuft eine Tasse Kaffee aus dem Automaten, Koffein- und Zuckergehalt werden sofort an meine Krankenversicherung weiterleitet. Das wird meinen Beitrag für diesen Monat sicherlich wieder erhöhen. Vor allem, da ich letzte Woche drei Mal bei meinem Pizzaservice bestellt habe.

Dummerweise habe ich vergessen, meinen Rauchmelder zu sabotieren, sodass ich nach dem Rauchen meiner Morgenzigarette sofort einen Bußgeldbescheid wegen Rauchens in geschlossenen Räumen in meinen eMails finde. Die fünfzig Euro werden sofort von meinem Konto abgebucht, ein Widerspruch ist zwecklos, der Rauchmelder hat den Rauch analysiert und die Daten an das Ordnungsamt weitergeleitet. Mein Krankenkassenbeitrag wird sich diesen Monat verdoppeln.

In meinem eMailpostfach findet sich noch ein zweiter Bußgeldbescheid. Auf der A2 war ich im Baustellenbereich zwischen Kilometer 142,6 und 147,4 36 km/h zu schnell. Gemessen vom GPS meines Mobiltelefons und ausgewertet von der Bundespolizei bei einer Routineuntersuchung. Ich muss jetzt mit der Ubahn fahren, mein Führerschein wurde sofort deaktiviert. Mein Fahrzeug wird ohne aktiven Führerschein nicht starten.

Ich muss noch dringend meine Stimme für die Bundestagswahl abgeben, sonst fällt sie automatisch der Mehrheitspartei der großen Führerin zu. Seitdem Wahlen nicht mehr geheim sind, werden auch endlich keine radikalen Parteien mehr gewählt. Das ist ein Segen für unsere Demokratie, sagen sie. Außerdem kann man nicht mehr im öffentlichen Dienst arbeiten, wenn man Parteien wählt, die die Werte der EU nicht vertreten.

In meinem Büro wartet der Verfassungsschutz auf mich. Einer meiner Nachbarn, mit dem ich hin und wieder etwas Trinken gehe, wurde wegen „Tätigkeiten gegen die Staatssicherheit und Aufstachelung zum Widerstand gegen Verfassungsorgane“ verhaftet. Er hat per Blog zum Widerstand gegen die Überwachung durch Krankenkassen aufgerufen und entsprechende Verschlüsselungsanleitungen bei Facebook veröffentlicht. Verschlüsselungen sind nicht erlaubt. Das Vermummungsverbot wurde auf die elektronische Kommunikation übertragen.

Außerdem hat er mir die Anleitung zur Sabotage meines Rauchmelders per eMail geschickt. Das bringt mich jetzt ein wenig in Schwierigkeiten. Der Beamte kann mir anhand meiner Bewegungsdaten und meiner eMails die Tat sowie den intensiven Kontakt zu meinem Nachbarn nachweisen. Aufgrund der unbestreitbaren Beweise erhalte ich direkt einen Strafbefehl, der umgehend meine Kreditkarte belastet.

Ein Glück, morgen ist Dienstag.

3 KOMMENTARE

  1. Das klingt für mich garnicht utopisch sondern nach der Realität. Die Partei der großen Führerin made my day 😀

  2. So könnte kein _fieser_ Montag im Jahre 2020 aussehen, sondern ein _normaler_ Montag.
    Aber viele lassen sich gern das Denken abnehmen und behalten selbst die PIN-Nummer der Bankkarte nicht mehr im Kopf…

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