Arminia kann keine Relegation. Wie schon 1977 gegen den TSV 1860 München waren die Bielefelder nicht in der Lage, einen komfortablen Vorsprung über die Zeit zu bringen. In großen Spielen ist der DSC einfach nicht in der Lage, die Nerven zu behalten. Jetzt droht der finanzielle Kollaps. Auch weil wirtschaftlich kaum etwas erreicht wurde.

Ausgerechnet am 19.05., der DSC Arminia Bielefeld wurde 1905 gegründet, muss der Sportclub der Ostwestfalen den bitteren Gang in die dritte Liga antreten. Trotz der hervorragenden Ausgangsposition nach dem Hinspiel in Darmstadt, zeigte das Team von Norbert Meier Nerven. Die Niederlage war verdient, der Abstieg nicht. Denn Arminia hatte sich am eigenen Schopf aus dem Sumpf gezogen. Die Mannschaft hatte uns in den Spielen in Bochum, Dresden und Darmstadt mitgerissen, hatte die Hoffnung entfacht, doch noch den überlebenswichtigen Klassenerhalt zu schaffen.

Und jetzt, Arminia? Jetzt steht der Verein wieder einmal vor einem Trümmerhaufen. In zwei Jahren wird die Fananleihe fällig, die Tilgung für die Stadionkredite dürften ebenfalls wieder das Budget belasten. Dazu fehlen rund drei Millionen Euro Fernsehgelder aus der zweiten Liga.

Meier wird sicherlich nicht zu halten sein, selbst wenn er wollen würde und Schlüsselspieler wie Christian Müller, Tom Schütz und Fabian Klos, um die man eine junge, hungrige Mannschaft aufbauen könnte, wird man abgeben müssen. Dass diese Spieler erhebliche Gehaltseinbußen hinnehmen werden, ist vermutlich auszuschließen und Arminia wird die Ablösen gut gebrauchen können.

Es droht also der finanzielle Knockout. Die Umwandlung der Verbindlichkeiten in Anteile an der ALM KG zieht sich seit Jahren hin und auch der Verkauf von Anteilen der KGaA hat sich nicht bezahlt gemacht. Die Schuldenlast ist weiterhin erdrückend.

Es gibt mutige Lösungen – Union Berlin macht’s vor

Der 1. FC Union Berlin, der definitiv sympathischere Club aus der Hauptstadt, hat vorgemacht, wie man erfolgreich Geld generiert. Vom 1. Dezember 2011 bis zum 31. Dezember 2011 verkaufte Union Berlin Anteile an seiner, zuvor in eine AG umgewandelte Stadiongesellschaft und erlöste damit 2.736.500 Euro. Dabei waren ausschließlich Mitglieder und Sponsoren berechtigt, Anteile zu erwerben. Da die Alm einen Buchwert von fast fünfundzwanzig Millionen Euro hat, ließe sich hier mit ein wenig mehr Flexibilität sicherlich mehr erreichen.

Union erlaubte nur Zeichnungen zwischen fünfhundert und fünftausend Euro; Arminia könnte die Anteile breiter fächern und so nahezu jedem Fan ermöglichen, ab einhundert Euro einzusteigen und sein eigenes Stück Alm zu besitzen. Gibt man (zum Teil) stimmrechtslose Aktien aus, würde der Verein trotz des Verkaufs immer die Stimmenmehrheit besitzen, egal wie viel Kapital der Verein tatsächlich hält.

Der Vorteil gegenüber einer Anleihe ist, dass das eingesammelte Geld nicht nach fünf Jahren zurückgezahlt werden muss. Eine Dividende ist nur fällig, wenn die ALM KG Gewinne macht. Im Grunde genommen ist das so simpel, wie es sich anhört. Nutzt die ALM KG das eingesammelte Geld zur Reduzierung ihrer Verbindlichkeiten, wird aus Fremdkapital Eigenkapital.

Es wäre außerdem ein Versuch wert, die Zeichner der Fananleihe dazu zu bewegen, Ihre Einlagen in Anteile zu wandeln.

Arminia kann den Neuanfang schaffen. Vorausgesetzt man ist bereit, neue und unkonventionelle Wege zu gehen.

Update 21. Mai 2014

Nach der Vereinssatzung muss der e.V. bei allen Tochtergesellschaften mindestens über fünfzig Prozent plus eine Aktie der Stimmrechte halten (50+1-Regel). Wird dieses Szenario konsequent angewendet, ergibt sich folgende Blaupause für eine ALM AG:

  1. Eine Aktiengesellschaft darf nach § 139 AktG bis zu 50% stimmrechtslose Vorzugsaktien ausgeben. Somit müsste der e.V. lediglich 25% plus eine Aktie der Stammaktien halten, um diese Bedingung zu erfüllen.
  2. Lässt man tatsächlich das gesamte Vermögen der ALM KG in der ALM AG aufgehen, so könnten durch einen Verkauf von Stamm- und Vorzugsaktien in Höhe von 75% des Buchwertes der Alm 18.750.000 Euro erzielt werden.
  3. Der Schuldenstand würde somit auf unter 10.000.000 Euro sinken. Als Käufer für die 25% Stammaktien, Nennwert 6.250.000 Euro, käme beispielsweise die Stadt Bielefeld in Frage oder aber ein Konsortium der bisherigen Darlehensgeber.
  4. Mit dem eingenommenen Geld könnte im Best Case ein Sondertilgungsabkommen mit der Sparkasse erzielt werden um wenigstens ein Darlehen komplett abzulösen.

Als Folge dieses Konstruktes würde Arminia eine horrende Summe beim Kapitaldienst einsparen, die beispielsweise wieder in Beine investiert werden kann.

Um eine AG zu gründen bedarf es außerdem keiner Genehmigung durch die BaFin, es sei denn, man möchte an die Börse gehen. Man benötigt nur den Willen, das Stammkapital und einen Notar.

7 KOMMENTARE

  1. Welche Nachteile gäbe es für den Kleinanleger. Mit anderen Worten, welche Rechte und Pflichten habe ich als Anleger?

    • Da ich hierbei davon ausgehe, dass die Aktien im Streubesitz Vorzugsaktien sind, gibt es kein Stimmrecht.

      Vorzugsaktien werden jedoch bei der Dividende bevorzugt. Das heißt, dass der Kleinanleger i.d.R. eine etwas höhere Dividende erhält.

      Das Risiko besteht natürlich darin, dass die Einlage vernichtet wird. Wie bei jedem anderen Wertpapier auch.

  2. „Meier wird sicherlich nicht zu halten sein, selbst wenn er wollen würde und Schlüsselspieler wie Christian Müller, Tom Schütz und Fabian Klos, um die man eine junge, hungrige Mannschaft aufbauen könnte, wird man abgeben müssen.“

    Du solltest nicht immer so negativ sein, lieber Alex 🙂

    • Erstmal ist es schön, dass gerade Du, liebster Klaus, Dich auf meine Seite verirrt und einen Kommentar hinterlassen hast.

      Du hast natürlich vollkommen recht. In diesem Fall habe ich mich geirrt. Genau wie damals mit meinem Rückrundenrock.

      Dabei verstehe ich eine Menge von Fußball 😉

  3. Ich habe mich nicht verirrt, sondern ich lese gern, was Du schreibst, auch wenn Deine NSA-Phobie manchmal ein wenig überzogen scheint 🙂

    • Die Phobie, wie Du es nennst, scheint auch ja, nach den Aussagen von Binney und der Tatsache, dass die NSA jetzt auch noch den BND ausspioniert, als Wahrheit zu entpuppen 🙂

Kommentar verfassen