In meinem letzten Artikel habe ich noch einmal das Modell einer Stadiongesellschaft beschrieben, dass sich am Vorgehen des 1. FC Union Berlin orientiert. Bereits 2010 habe ich, damals noch in Amt und Würden, vergeblich für eine Beteiligung von Fans, Mitgliedern und Sponsoren an einer Stadiongesellschaft geworben. Stattdessen hat sich die Fananleihe durchgesetzt, die in zwei Jahren zur Auszahlung kommt. Eine Idee zur Diskussion

Die Resonanz auf den Artikel, Was nun, Arminia? war überraschender Weise durchweg positiv. Sogar ein Pressevertreter hat sich gemeldet. Da Arminia sich wieder einmal neu erfinden muss und an allen Ecken und Enden das Geld fehlt, um endlich von dem immensen Schuldenberg herunterzukommen, habe ich das Konzept der ALM AG ein wenig überarbeitet und stelle es hiermit zur Diskussion.

Kurzübersicht

Inhalt dieses Konzeptes ist die Gründung einer Stadiongesellschaft in der Form einer Aktiengesellschaft mit fünfzig Prozent so genannter Vorzugsaktien ohne Stimmrecht. Diese Aktiengesellschaft, nennen wir sie ALM AG, soll das Stadion an der Melanchtonstraße sowie das Trainingsgelände besitzen und von der ALM KG übernehmen. Der Betrieb des Stadions kann an die KGaA abgegeben werden, sodass nur geringe Kosten für Verwaltung und Geschäftsführung anfallen. Im Gegenzug kann dann die Stadionpacht um die Summe reduziert werden, die für den Betrieb und den Erhalt der Immobilien aufgebracht werden muss.

Ziele

  1. Reduzierung der Verbindlichkeiten der Arminia-Gruppe auf unter zehn Millionen Euro
  2. Reduzierung des jährlichen Kapitaldienstes und damit der Stadionpacht
  3. Umwandlung der Fananleihe in Beteiligungen
  4. Erhalt der Arbeitsplätze innerhalb der KGaA
  5. Erhöhung des Etats für den sportlichen Bereich
  6. Verringerung des Insolvenzrisikos
  7. Unabhängigkeit von Großsponsoren

Organisation und Aufbau der ALM AG

Die derzeitige Stadiongesellschaft des DSC Arminia Bielefeld e.V., die ALM KG, weist in ihrer Jahresbilanz 2013 eine Sachanlage von 24.623.886,52 Euro aus. Ich gehe im Weiteren davon aus, dass diese Sachanlage den Wert der Immobilien ausweist, die sich im Besitz der ALM KG befinden. Dem gegenüber stehen 25.345.798,95 Euro Verbindlichkeiten, die ich hier als Arminias Verschuldung annehme. Falls sich diese Zahlen geändert haben sollten, so muss das natürlich in der Gesamtsicht angepasst werden. Die Abweichungen sollten aber nicht so signifikant sein, dass dieses Konstrukt zusammenbricht.

Nach der 50+1-Regel im deutschen Fußball und der Satzung des DSC Arminia Bielefeld e.V. muss der Verein an seinen Tochtergesellschaften mindestens fünfzig Prozent plus eine Aktie halten. Hierbei geht es aber nicht um die tatsächliche Menge des Kapitals sondern um Stimmrechte. Eine deutsche Aktiengesellschaft kann aber bis zu fünfzig Prozent sogenannter Vorzugsaktien ausgeben. Diese Aktien verfügen über keinerlei Stimmrecht, sodass der Verein lediglich fünfundzwanzig Prozent des tatsächlichen Kapital halten müsste, um diese Richtlinie zu erfüllen. Gehen wir von den oben genannten Zahlen aus und einem Aktiennennwert von zehn Euro, so müsste das Kapital wie folgt verteilt sein (Zahlen gerundet auf 24.623.920 Euro):

  1. 6.155.990 Euro in Stammaktien im Besitz des e.V. (25% des Kapitals plus eine Aktie)
  2. 6.155.970 Euro in Stammaktien im Besitz der privaten Darlehensgeber (25% des Kapitals minus eine Aktie)
  3. 12.311.960 Euro in Vorzugsaktien im Streubesitz (Fans, Mitglieder, Investoren, etc.)

Es ist ziemlich leicht zu erkennen, dass wir hier in eine Situation kommen, dass in einem Best Case 18.467.930 Euro Verbindlichkeiten durch das eingeworbene Kapital abgelöst werden können und Arminia in relativ kurzer Zeit seine Schulden auf etwa sieben Millionen Euro reduzieren könnte. Durch eine gute Balance zwischen Stadionpacht und Kapitaldienst (Tilgung und Zinszahlungen) lassen sich diese sieben Millionen Euro mittelfristig ebenfalls abbauen. Das Insolvenzrisiko sinkt damit signifikant.

Stadionpacht und Gewinne der ALM AG

Die einzige Möglichkeit für die ALM AG Gewinne zu erwirtschaften, ist die Stadionpacht durch die KGaA. Damit alle Anleger vom sportlichen Erfolg partizipieren, ist in meinem Konzept eine, nach Ligazugehörigkeit gestaffelte Stadionpacht vorgesehen. Die Idee hierzu stammt übrigens von Dr. Dirk Obermann und ich finde sie schlichtweg genial. Ich würde sogar noch einen Schritt weiter gehen und die Stadionpacht an die Höhe der Fernsehgelder koppeln. In wie weit das durchführbar ist, müsste allerdings noch erörtert werden. Die Mindestpacht muss natürlich mindestens die Kosten decken (4. Liga) und sollte nicht höher sein als 15% des Kapitals (erreichen eines europäischen Wettbewerbs).

Mit diesem Modell erhalten die Anleger im Worst Case zwar keine Dividende, im Best Case jedoch einen anstgändigen Gewinn und im Normalfall eine marktübliche Verzinsung. Ausgezahlt werden könnten die Gewinne über eine jährliche Dividende.

Woher zwölf Millionen Euro einwerben?

Eine gute und berechtigte Frage. Bei der Fananleihe sind immerhin vier Millionen zusammengekommen. Könnte man die Bau auf Blau Zeichner überzeugen, fehlen noch acht millionen. Hier ist sicherlich auch der eine oder andere institutionelle Anleger gefragt aber auch jedes Mitglied, jeder Sponsor und evetnuell die Stadt Bielefeld.

Für eine Aktiengesellschaft gibt es keine Zeichnungsfrist. Auf dem grauen Markt, bzw. außerbörslich können die Aktien jederzeit gehandelt werden. Selbst wenn es ein Jahr oder länger dauern würde, genug Anleger zu finden, so ist das noch immer besser, als weiterhin auf fast dreißig Millionen Euro Schulden zu sitzen.

Vorteile

Eine Aktiengesellschaft lässt sich relativ schnell gründen. Es wird nur ein Notar benötigt, eine Genehmigung durch die BaFin fällt nur an, wenn ein Börsengang geplant ist.

Nachteile

Es gibt einen gravierenden Nachteil an der ALM AG. Der Verein würde fünfundsiebzig Prozent seines Immobilienvermögens verkaufen. Neben dem Namen und der Marke sicherlich der größte Wert, den der e.V. besitzt. Doch hier gilt es abzuwägen, ob der ewige Ritt auf der Rasierklinge unter dem Damoklesschwert Insolvenz die bessere Alternative ist.

5 KOMMENTARE

  1. Meinst du, dass es realistisch ist, dass neben den Bau auf Blau Zeichnern noch mal 8 Millionen an Aktien an Fans und Mitglieder verkauft werden können? Das dürfte nicht einfach werden, denn die Stadt BI wird sich wohl kaum beteiligen können.
    Und meine zweite Frage. Welche Gründe dürften die Vereinsführung bewogen haben einen anderen Weg einzuschlagen?
    Danke für die Antwort.

    • Das kann ich ehrlich gesagt nicht wirklich einschätzen. Aber im Gegensatz zu einer Fananleihe, die nur lokal vertrieben wird und über eine relativ kurze Laufzeit verfügt, bietet eine Beteiligung auch nicht arminiaaffinen Investoren die Möglichkeit, langfristig vom sportlichen Erfolg zu partizipieren.
      Das können auch Anleger sein, die einfach nur auf Arminias Erfolg wetten und sich dadurch eine entsprechende Dividende erhoffen.
      Ein weiterer Vorteil ist, dass die Aktien am grauen Markt handelbar wären und so zusätzlich die Möglichkeit besteht, einen Spekulationsgewinn zu erzielen.
      Selbst wenn die Akquise mehrere Monate oder ein Jahr dauert, so sinkt Arminias Schuldenstand trotzdem.
      Natürlich kann das alles schief gehen und der gesamte Prozess ist auch durchaus aufwändig und mit Kosten (Gründung, Satzung erstellen, Akquise, Hauptversammlungen, etc.). Das ist eine Fananleihe aber auch.

    • Nachtrag: die Vereinsführung, der ich damals ja angehört habe, hat sich mehrheitlich für eine Fananleihe entschieden. Es wurde zwar „versprochen“, dieses Modell zu prüfen, das ist aber nicht geschehen (ich wurde dann ja auch abgewählt). Immerhin konnten wir durchsetzen, dass das Stadion nicht an die KGaA übertragen wurde.

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