Unser Bundespräsident möchte ein bisschen mehr Krieg. Er möchte, dass wir zukünftig zur Verteidigung der Menschenrechte zu den Waffen greifen sollen. Sein Vorgänger Horst Köhler, der im Gegensatz zu Gauck wenigstens die Wahrheit sagte, trat nach ähnlichen Äußerungen zurück. Nicht nur deswegen ist es Zeit für einen offenen Brief.

Herr Gauck,

bitte verzeihen Sie, dass mir für Sie keine höflichere Anrede eingefallen ist. Aber es ist mir schlichtweg nicht möglich, jemanden höflich anzusprechen, der trotz seiner Herkunft und dem Wissen, was ein totalitäres Regime anrichten kann, sämtliche Grundsätze, die die Bundesrepublik seit ihrer Gründung ausgezeichnet hat, über Bord wirft.

Sie fordern, dass sich Deutschland von der Tabuisierung von Militäreinsätzen lösen soll. Eine Begründung, und damit meine ich keine Floskeln wie wir müssen mehr Verantwortung übernehmen, bleiben Sie schuldig. Wie so vieles in Ihrer Amtszeit. Sollte nicht gerade Europa schon aufgrund seiner Geschichte genau das Gegenteil tun?

Da Sie in bester Angela-Merkel-Manier leider nie konkret werden, stelle ich mir die Frage, wo sich die Bundesrepublik militärisch engagieren soll. Vielleicht im Irak, wo gerade die islamistische ISIS ihre Gegner wahlweise köpft, kreuzigt oder im Dutzend erschießt? Möchten Sie, dass deutsche Soldaten, die im Ernstfall unser Land verteidigen und schon gar keines angreifen sollen, solche Horrorszenarien durchmachen? Seien Sie Gerhard Schröder dankbar, dass er die Bundeswehr aus diesem Irrsinn herausgehalten hat und lernen Sie aus der Weitsicht unseres Bundeskanzlers a.D.

Denn nahezu alle Militäraktionen des Westens in den letzten zehn oder fünfzehn Jahren haben vor allem eines hinterlassen: Chaos und Destabilisierung. Der Irak versinkt, wie oben erwähnt, im Bürgerkrieg mit dutzenden toten Männern, Frauen und Kindern täglich. In Afghanistan herrscht noch immer der Terror der Taliban, die sich weder vertreiben lassen noch aufgelöst werden können. Für Libyen gelten Reisewarnungen mit dem Hinweis auf Anschläge und Entführungen. Ihnen fehlt es augenscheinlich an der Einsicht, dass Sie weder die Menschen noch die Strukturen dieser Einsatzgebiete auch nur annähernd einschätzen können.

All dieser Wahnsinn, den Sie seit der Münchener Sicherheitskonferenz vom Stapel lassen, führt mich zu der Erkenntnis, dass Sie nicht geeignet oder nicht willens sind, unser Land und unsere Werte zu repräsentieren. Dass sich ein Mann von Ihrer Herkunft, so vor den Karren von Kriegslobbyisten spannen lässt, erschließt sich mir nicht.

Ich hatte große Hoffnungen in Ihre Präsidentschaft gesetzt. Sie haben einen großen Beitrag zur Aufklärungsarbeit über die Stasi geleistet – schweigen aber zu der Tatsache, dass ausländische Dienste in Kooperation mit deutschen Behörden die eigenen Leute bespitzeln. Gerade Sie müssten doch aus eigener Erfahrung wissen, dass schon der Gedanke daran, irgendjemand könnte mithören oder mitlesen, was ich im Privaten tue, mein Handeln und meine Individualität beeinflusst. Sie müssten wissen, dass die Errichtung eines europaweiten Präventionsstaates mit seinen Projekten wie INDECT, unsere Freiheit nicht beschützt oder fördert sondern schlichtweg beseitigt. Heimlich, still und leise.

Von Ihnen hatte ich erwartet, dass Sie an den richtigen Stellen mahnen. Dass Sie sich für unsere Freiheit einsetzen auch und gerade gegen die Merkeladministration. Sie tun dergleichen nichts. Viel schlimmer noch, Sie versuchen, unserer Kanzlerin zu gefallen und das, obwohl Sie so einen großartigen Start hatten und gegen den Willen der CDU-Vorsitzenden installiert wurden. Sie hatten die Chance, als parteiloser und ursprünglich integrer Nichtpolitiker unser Land positiv zu beeinflussen.

Herr Gauck, nun sitze ich hier vor meinem Computer und kann nicht anders, als Ihnen den Rücktritt nahezulegen. Sie werden mich sicherlich für unsäglich albern halten, wie einst die Occupy-Demonstranten. Das verstehe ich sogar. Aber entweder haben Sie während Ihrer gesamten Karriere uns alle oder aber sich selbst belogen. Ich hoffe inständig, dass letzteres der Fall ist.

Es grüßt,

Alexander Geilhaupt

 

Kommentar verfassen