GEILHAUPT.COM hat Melanie Schneider (26, AfD) vor vier Monaten schon einmal interviewt. Damals zog sie in den Stadtrat Zweibrücken ein und unterhalb des Interviews fanden sich schnell einige Kommentare von Parteimitgliedern, die zumindest uns durchaus merkwürdig vorkamen. Die jüngsten Wahlerfolge in Sachsen, Thüringen und Brandenburg und Bernd Luckes Statement zur inneren Sicherheit in der ehemaligen DDR waren außerdem Gründe, bei der Jung-Politikerin noch einmal nachzufragen.

geilhaupt.com: Hallo Melanie, Du bist jetzt seit vier Monaten im Stadtrat Zweibrücken. Wie fällt Deine Bilanz der ersten einhundert Tage aus?

Melanie Schneider: Ich bin in vier Ausschüssen. Dem Sozialausschuss, dem Schulträgerausschuss, dem Rechtsausschuss und dem Jugendhilfeausschuss. Diese haben zum Großteil noch nicht getagt.

Bisher fanden, bedingt durch die Sommerpause, erst zwei Stadtratsitzungen statt. Die zweite Sitzung wurde leider durch die Verkündung der Insolvenz für den Zweibrücker Flughafen überschattet.

Nach mehreren anderen Fällen, wie zum Beispiel dem Nürburgring, leider das nächste Projekt, das von unserer Landesregierung an die Wand gefahren wurde.

geilhaupt.com: Die Bundes- und Landespolitiker der etablierten Parteien distanzieren sich von der AfD. Ist das auf kommunaler Ebene auch so?

Melanie Schneider: Nicht in der Form, wie man es aus der Bundes- und Landespolitik kennt. Ich habe das Gefühl, dass man uns beobachtet und zum Teil erstmal abwartet. Wir haben aber, meiner Meinung nach, einen ganz normalen Umgang miteinander.

geilhaupt.com: Wie läuft die Zusammenarbeit mit dem SPD-Oberbürgermeister?

Melanie Schneider: Ich muss zugeben, dass ich von unserem Oberbürgermeister positiv überrascht bin. Ein sehr direkter Mensch und diese Eigenschaft schätze ich sehr. Eine wirkliche Zusammenarbeit gab es bisher jedoch noch nicht.

geilhaupt.com: Beim letzten Interview auf geilhaupt.com gab es eine durchaus kontroverse Diskussion. Hat sich das Verhältnis zwischen Dir und dem Kreisvorstand wieder beruhigt?

Melanie Schneider: Ja, das hat es. Damals waren, durch verschiedene Vorkommnisse, die Gemüter sehr erhitzt. Mittlerweile haben wir die Differenzen aus dem Weg geräumt. Mein Kreisvorsitzender ist auch der Fraktionsvorsitzende der AfD-Fraktion im Zweibrücker Stadtrat und die Zusammenarbeit funktioniert wirklich super.

geilhaupt.com: Damals feierte die AfD gerade den Einzug ins Europaparlament. In den letzten Wochen hat Deine Partei bei drei Landtagswahlen aus dem Stand bis zu 12 Prozent geholt. Denkst Du, dass die AfD inzwischen in der Politik angekommen ist?

Melanie Schneider: Die Ergebnisse in den drei Bundesländern waren einfach großartig. Ich kann den Mitgliedern in Sachsen, Brandenburg und Thüringen nur noch mal meine Gratulation aussprechen. Es ist unfassbar, was in diesen Bundesländern geleistet wurde.

Ob die AfD damit in der Politik angekommen ist, wird sich noch zeigen. Wir müssen jetzt beweisen, dass die AfD eine wirkliche Alternative zu den etablierten Parteien ist. Auch innerparteilich liegt da noch viel Arbeit vor uns. Ich denke da zum Beispiel an unsere Satzung oder ein Parteiprogramm.

geilhaupt.com: Du gehst also davon aus, dass Ihr auch bei den nächsten Landtagswahlen ähnliche Erfolge erzielen könnt?

Melanie Schneider: Das kommt auf die jeweiligen Bundesländer an. Man hat zur Bundestags- und Europawahl gesehen, dass wir noch schwache Regionen haben. Diese gilt es jetzt besonders aufzubauen.

geilhaupt.com: Du gehörst zur Basis der AfD. Bernd Lucke äußerte während einer Wahlkampfrede, er könnte Menschen verstehen, die sich nach der inneren Sicherheit der DDR zurücksehnen. Wie steht Ihr zu solchen Aussagen?

Melanie Schneider: Ich kann nicht für die Basis an sich sprechen. Ich denke auch da gibt es verschiedene Ansichten. Ich für meinen Teil, finde diese Aussage nicht sehr vorteilhaft. Meiner Meinung nach sollte Bernd Lucke nochmal nachdenken bevor er solche und andere Äußerungen tätigt. Man darf nicht vergessen, dass in der DDR unzählige Unschuldige in Gefängnissen saßen, die zum Beispiel die innere Sicherheit „gefährdet“ haben.

geilhaupt.com: Hast Du noch weitere Ambitionen? Landes- oder Bundespolitik?

Melanie Schneider: Momentan habe ich noch nichts fest geplant. Ich habe zuvor noch ein paar private Ziele, die ich verwirklichen will. Wenn ich diese erreicht habe, wird es mich wohl auf die Bundesebene verschlagen.Parteiintern gibt es auch in RLP einiges aufzuräumen. Inwiefern ich mich da versuche einzubringen, wird die Zukunft zeigen.

geilhaupt.com: Dann können wir also davon ausgehen, dass Du beim nächsten Landesparteitag für einen Posten im Vorstand kandidieren wirst?

Melanie Schneider: Ich denke, darüber werde ich mir kurzfristig Gedanken machen. Der Landesvorstand steht momentan unter berechtigter Kritik und es ist wichtig, dass hier gewisse Posten neu besetzt werden. Es ist traurig, dass Rheinland Pfalz innerparteilich auf Bundesebene keine Rolle spielt, jedoch immer wieder durch bestimmte Vorstandsmitglieder negativ auffällt. Politik ist kein Spiel. Wir haben eine Verantwortung unseren Wählern gegenüber. Diese sollten wir ernst nehmen und nicht durch amateurhaftes Verhalten leichtfertig aufs Spiel setzen.

geilhaupt.com: Vielen Dank für das nette Gespräch.

 

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