Tobias Huch handelt. Während in Deutschland viel über Flüchtlinge geredet wird, sorgt der FDP-Politiker dafür, dass den Opfern in Kurdistan auch wirklich geholfen wird. Über 80.000 Euro Spendengelder hat der Mainzer schon gesammelt und konnte so bereits über 1,3 Millionen Flaschen Trinkwasser in den Flüchtlingslagern verteilen.

geilhaupt.com: Hallo Tobias, Du bist gerade aus Kurdistan zurück. Wie fühlt sich das an, mitten im Krieg zu sein?

Tobias Huch: Es ist eine sehr ungewohnte Situation. Man lernt auch die Sicherheit in Deutschland schätzen, wenn man an der Front steht und wenige Meter von einem Kugeln einschlagen oder man sieht, wie Granaten explodieren – von den Toten gar nicht zu sprechen.

Emotional ist das Leid der Flüchtlinge aber wesentlich ergreifender als die Situation an der Front. Im Frontbereich wird gekämpft, man hat einigermaßen die Kontrolle über sich und die Situation. Bei Flüchtlingen sieht man die Hilflosigkeit und die Verzweiflung. Das ist nur schwer zu ertragen.

geilhaupt.com: Hast Du auch Kampfhandlungen miterlebt?

Wie gesagt. Sowohl im September, als auch jetzt im Januar, war ich direkt im Bereich von Kampfhandlungen. Im September war ich vor Mossul und da hielt es sich sehr in Grenzen. Ich denke, dass der leichte Beschuss eher Zufall war. Jetzt im Januar im Shingalgebirge stand ich direkt bei schweren Gefechten. Wie ich später erfahren habe, war der Tag meines Shingalaufenthaltes einer der extremsten Tage.

geilhaupt.com: Hast Du Angst um Dein Leben gehabt?

Angst hatte ich, ehrlich gesagt, nie. Ich war auch nicht alleine, sondern in einer Gruppe von Peshmerga-Kämpfern. Ich war jedoch sehr angespannt und aufmerksam.

geilhaupt.com: Seit einiger Zeit sammelst Du Geld, um die Wasserversorgung der Flüchtlinge sicherzustellen. Wie ist es dazu gekommen?

Tobias Huch: Ein Video von CNN Mitte August war die Zündung meines Engagements. Ich sah dort das große Leid und habe mich gefragt, was man dort machen kann. Nach einigen Überlegungen kam ich zu dem Entschluss, selber aktiv zu werden und traf durch einen glücklichen Zufall auf Gunter Völker, der auch anpackt und helfen wollte. Mit ihm das gemeinsam zu machen, war ein großer Glücksfall.

geilhaupt.com: Wie viel Geld ist da schon zusammengekommen?

Tobias Huch: Wir haben bisher über 80.000 Euro gesammelt und konnten so über 1,3 Mio. Flaschen Trinkwasser ausliefern. Das ist aber erst der Anfang.

geilhaupt.com: Geht das gesammelte Geld direkt an die Flüchtlinge oder bleibt auch was in der Verwaltung hängen?

Tobias Huch: Es gibt keine Verwaltungskosten. Selbst meine Reisen habe ich privat bezahlt – sind also von mir gespendet. Jeder Cent, der reinkommt, geht an die Flüchtlinge.

geilhaupt.com: Wo und wie kann man spenden?

Tobias Huch: Unter www.kurdistan-wasser.de ist ein Spendenformular oder man schickt eine 5-Euro-SMS mit dem Wort KURDISTAN an die 81190.

geilhaupt.com: Einige werfen Dir vor, Du würdest das alles nur zur Selbstdarstellung nutzen. Was antwortest Du darauf?

Tobias Huch: Bösartige Menschen gibt es immer. Eigentlich sollte man auf so dümmliche Vorwürfe gar nicht antworten. Wer sich aber fragt, warum ich Öffentlichkeitsarbeit mache, kann mir gerne Vorschläge unterbreiten wie ich Spendengelder organisieren soll, ohne diese Öffentlichkeit. So eine Lösung wäre eine Sensation und würde mir viel Arbeit ersparen.

geilhaupt.com: Anderes Thema: Du giltst ein wenig als Enfant Terrible der FDP. Denkst Du, die Liberalen kehren zurück in die Bundespolitik?

Tobias Huch: Ich gelte da eher als Hans Dampf. Und ich kämpfe für den Liberalismus. Ich bin davon überzeugt, dass die FDP bald wieder da ist. Wenn sie sich an ihr neu aufgestelltes Leitbild hält und die Erneuerung fortsetzt.

geilhaupt.com: Ist Christian Lindner der richtige Parteivorsitzende?

Tobias Huch: Anscheinend. Denn wenn nicht, hätte es doch schon längst einen Aufstand gegeben. In einer liberalen Partei sind Kontroversen an der Tagesordnung.

geilhaupt.com: Nach den Anschlägen in Paris werden die Rufe nach weiteren Überwachungsmaßnahmen und einer erneuten Einführung der Vorratsdatenspeicherung lauter. Die FDP hat sich dazu bisher kaum geäußert. Wie stehst Du dazu?

Tobias Huch: Die FDP hat sich sogar sehr klar dazu geäußert. Frankreich hatte die VDS und es hat nicht geholfen. Wir können unsere freie Gesellschaft jedenfalls nicht schützen, in dem wir den Forderungen der Terroristen nachgeben und die freie Gesellschaft aufgeben. Die VDS ist ein Schritt, den die Terroristen gerne hätten. Dazu ist die FDP nicht bereit.

geilhaupt.com: Wie sollte Europa dann auf den islamistischen Terror reagieren?

Tobias Huch: Mit der klaren Position: Keine Toleranz den Intoleranten. Unsere aufgeklärten Werte stehen nicht zur Diskussion und wer diese nicht akzeptiert, kann sich gerne ein Land suchen, wo er in geliebter Unterdrückung leben kann.

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