Die etablierten Medien befinden sich in einer Krise. Immer mehr Bürger wenden sich von den Mainstreammedien ab und informieren sich über andere Kanäle. Doch statt das Problem anzugehen, zeigt man sich vom Konsumenten empört.

Seit es das Internet in seiner jetzigen Form gibt, haben die etablierten Medien ein ernsthaftes Problem. Damit meine ich nicht das der schwindenden Glaubwürdigkeit, sondern das der schwindenden Meinungshoheit. Der Nachrichtenkonsument ist nicht mehr darauf angewiesen, sich nur auf die Tagesschau zu verlassen. Es ist ziemlich einfach möglich, sich jede Information zu besorgen, die verfügbar ist. Und es ist auch möglich, sich mit anderen Meinungen auseinanderzusetzen.

An dieser Stelle erst beginnt das Glaubwürdigkeitsproblem. Das liegt nicht daran, dass bewusst gelogen wird, sondern dass Informationen weggelassen werden. Die Tagesschau hat eben nur fünfzehn Minuten, das mag sein, trotzdem vermisse ich inzwischen das, was ich an der ARD über Jahrzehnte hinweg sehr geschätzt habe: Objektivität und Zuverlässigkeit.

Am Beispiel der Flüchtlingskrise, die ich für die größte Staatskrise der Bundesrepublik seit dem zweiten Weltkrieg halte, an der Eurokrise und an der Ukrainekrise kann man das sehr gut beobachten.

Bei der Berichterstattung über die Ukraine hätte ich mir ein wenig mehr Informationen über das Assoziierungsabkommen mit der EU gewünscht, sodass man verstehen kann, warum Russland sich in seiner Geopolitik bedroht fühlt. Ich will nicht sagen, dass Putin im Recht ist, dennoch habe ich mich schlecht informiert gefühlt. Zum Beispiel darüber, dass die Absetzung Janukowytschs aus Sicht der ukrainischen Verfassung juristisch zumindest fraglich ist.

Während der Berichterstattung zur Flüchtlingskrise kam heraus, dass die ARD speziell Bilder von Familien mit Kindern zeigte, obwohl die Mehrzahl der Einreisenden junge Männer waren. Das halte ich nicht nur für fahrlässig, sondern auch für eine absichtliche Vertuschung von Tatsachen.

Doch auch das ZDF, und hier vor allem Klaus Kleber, kann Meinung nicht von objektiver Berichterstattung trennen. Bei einem Interview mit Horst Seehofer fragte er nach der Obergrenze: „Sie wollen also dann irgendwann zu einer völlig erschöpften Familie mit Kindern sagen, sie könne nicht einreisen?“. Das ist kein Journalismus, das ist eine bewusste Beeinflussung der Zuschauer.

In der Eurokrise hätte ich mir ebenfalls mehr Aufklärung gewünscht. Zum Beispiel, dass der ESM dafür sorgt, dass das unternehmerische Risiko der Finanzindustrie auf den europäischen Steuerzahler übertragen wurde. Denn die Kredite, die dadurch abgesichert sind und die voraussichtlich niemals zurückgeführt werden können, kommen nicht den griechischen Bürgern, sondern den Banken zugute, indem Griechenland seine Kredite tilgt.

Beim Thema AfD blasen alle etablierten Medien ins selbe Horn. Ich selbst würde die AfD, vor allem nach dem Abgang von Lucke und Henkel auch nicht wählen, doch die Erstarkung der AfD und der Riss, der derzeit durch unsere Gesellschaft geht, liegen in der Verantwortung des Merkelregimes und seiner, in meinen Augen völlig unverantwortlichen Politik.

Die Medien können das verloren gegangene Vertrauen nur wieder zurückgewinnen, wenn sie ohne Rücksicht auf etwaig unerwünschte Mehrheiten bei den nächsten Wahlen oder briefeschreibende Fernsehratsmitglieder wieder ihren Auftrag wahrnehmen: Objektiv und umfassend berichten.

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