Ich treffe mich heute aus gegebenem Anlass das zweite Mal mit Kaiser Rocky I. Einem linksliberalen (im positivsten Wortsinn) Kenner der degenerierten Polit-Branche. Auch dieses Mal besuche ich seine Hoheit wieder in seinem Zuhause im beschaulichen Berliner Bezirk Frohnau, da ich seinen Wein zwischenzeitlich sehr zu schätzen gelernt habe. Wir sprechen unter anderem über Politik und Panama und über das große Ganze; über gute Küche, Sex und Social-Media. Es gibt schlimmere Begegnungen. Und schlimmere Interviewpartner als Wolfgang Rogalski.

geilhaupt.com: Was ist Deiner Meinung nach seit unserem letzten Interview passiert?

Kaiser Rocky: Eigentlich nichts.

geilhaupt.com: Paris und Brüssel bezeichnest Du als nichts? Die Panama-Papers auch? Oder die Wahlen in Rheinland-Pfalz, Baden-Würrtemberg und Sachsen-Anhalt?

Kaiser Rocky: So bitter es auch ist, aber Paris und Brüssel, waren zu erwarten und keine wirkliche Überraschung. Die Wahlergebnisse in den drei Ländern haben mich auch überhaupt nicht überrascht! Es gibt eben keine Volksparteien mehr in Deutschland. Vor allem, wenn man die Nichtwähler mit einbezieht.

Und die Panana-Papers, also mal im Ernst, da titeln sämtliche Zeitungen mit Putins Gesicht, obwohl er weder eine Briefkastenfirma besitzt, noch in den Panama-Leaks überhaupt auftaucht. Einige seiner Freunde natürlich, von denen ich allerdings nicht wirklich weiß, wie eng diese Leute mit Putin befreundet sind. Der ukrainische Präsident taucht hingegen auf, ebenso der Vater von David Cameron und – natürlich und ausgerechnet – der Premierminister aus Island. Übrigens das einzige Land in Europa, das tatsächlich gegen die kriminellen Bankster juristisch vorgegangen ist und ihnen nicht Milliarden in den Arsch geblasen haben, weil sie irgendwie systemrelevant seien. Die Isländer sind schon ein kluges Volk.

geilhaupt.com: Und nun, „mein Kaiser“?

Kaiser Rocky: Ehrlich gesagt, habe ich keine wirkliche Antwort mehr. Das Konzept von Kaiser Rock  hat offensichtlich die breite Öffentlichkeit nicht erreicht, obwohl dies der einzige richtige Lösungsansatz in diesen schweren Zeiten wäre.

geilhaupt.com: Es sei mir erlaubt noch einmal konkret nachzufragen, wie Deine Idee der Gesellschaft ohne Parteien und allzu großen Einfluss der Lobbyisten aussehen soll?

Kaiser Rocky: Wir brauchen zwingend eine Verfassung die das Volk sich gibt. „Dieses Grundgesetz, das nach Vollendung der Einheit und Freiheit Deutschlands für das gesamte deutsche Volk gilt, verliert seine Gültigkeit an dem Tage, an dem eine Verfassung in Kraft tritt, die von dem deutschen Volke in freier Entscheidung beschlossen worden ist.“

Ein bedingungsloses Grundeinkommen für deutsche Staatsbürger und mehr direkte Demokratie und am besten natürlich das Konzept von „Kaiser Rocky“.

Aber reden wir nicht lange um den heißen Brei herum. Vor allem braucht dieses Volk einen gemäßigten und überzeugten Führer.

geilhaupt.com: Wie bitte? Das soll ich wirklich veröffentlichen?

(Kurzer Blick, dann folgt schallendes Gelächter)

Kaiser Rocky (wischt sich die Tränen aus dem Gesicht): Nein, Du kennst ja mein Konzept. Kaiser Rocky hätte lediglich eine repräsentative Funktion. Die Macht soll eben vom Volk ausgehen, die großen Themen per direkter Demokratie beantwortet werden. Dazu benötigt es natürlich eine völlige Neuorientierung und eine Wiederbegeisterung der Menschen für Politik und Demokratie.

Die Parteien haben es seit Gründung der Bundesrepublik geschafft, die Bürger aus dem politischen Prozess vollkommen herauszuhalten. Ich glaube schon, dass sich die etablierten Parteien über möglichst viele Nichtwähler freuen. So kann man sich weiterhin von großen Anwaltskanzleien Gesetze im Sinne der Wirtschaft schreiben lassen, die dann der Bundestag abnickt. Und nach der Karriere winken dafür lukrative Aufsichtsratsposten. Im System Rocky wird es das alles nicht mehr geben.

Das Beste an unserer Idee ist jedoch, dass, wenn man wirklich etwas verändern will, man auch die Chance dazu hat, wenn man die Mehrheit der Bevölkerung von seiner Idee überzeugen kann.

geilhaupt.com: Aber warum soll das mit einer Partei nicht möglich sein? Warum gründen wir nicht einfach eine? Die AfD ist doch ein gutes Beispiel dafür.

Kaiser Rocky: Das habe ich ja mit der DDP bereits versucht. Und genau das hat mich zu der Erkenntnis geführt, dass keine Organisation – und schon gar keine politische Partei – eine Veränderung im Sinne der Menschen in Europa herbeiführen wird. Dazu sind die Verflechtungen zwischen Politik und Wirtschaft einfach zu eng. Diese Koalition muss gesprengt werden und es müssen Menschen das Volk repräsentieren, denen die Bürger vertrauen. Du besprichst Deine Sorgen und Nöte ja auch nicht mit irgendwem, sondern mit engen Freunden.

geilhaupt.com: Sollen wir die Inhalte unseres Gespräches über Sex, Drugs und Rock’n’Roll auch veröffentlichen?

Kaiser Rocky (lacht): Dann wird Traumfrau mich an unsere Katzen verfüttern…

geilhaupt.com: Dann danke ich Dir für den leckeren Wein und das wie immer tolle Gespräch.

Kaiser Rocky (lacht noch immer): Eine Flasche habe ich noch, die muss noch weg. Und dann reden wir über Fußball.

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