Eigentlich sollte es geheim bleiben, unser Treffen in Sevilla. Doch unser Gespräch, das hier in Auszügen wiedergegeben ist, ist zu fabelhaft, um es Euch vorzuenthalten.

Wolfgang blickt sich immer wieder auffällig unauffällig um. So als würde er Angst haben, verfolgt zu werden. Es ist nicht leicht, wenn man einerseits erfolgreich im Bankengeschäft ist und andererseits an der Revolution des Abendlandes arbeitet. Ich habe extra ein kleines, dafür aber ziemlich feines Restaurant ausgesucht, damit der Kaiser auch im schönen Andalusien seiner kulinarischen Leidenschaft für die italienische Küche frönen kann. Wir sitzen also bei leckerem Rinderfilet mit einer unfassbar großartigen Steinpilzsauce, als Wolfgang plötzlich den Kopf schüttelt.

Rinderfilet mit Steinpilzsauce
Rinderfilet mit Steinpilzsauce

Ich: „Ziemlich schön im Mund, was?“

Wolfgang: „Wie bitte?“

Ich: „Na, ich mein das Rinderfilet.“

Wolfgang: „Ja, ne, das mein‘ ich nicht.“

Ich: „Ach, Du meinst die Revolution.“

Wolfgang: „Ja, das Kaiser-Rocky-Modell.“

Ich: „Ja, unsere Mitstreiter lahmen ein wenig. Bei den fünftausend Freunden, die Du hast, müssten wir viel mehr Resonanz bekommen.“

Wolfgang kaut auf dem butterweichen Rinderfilet, schließt vor lauter Genuss kurz die Augen und läuft dann rot an. Mit vollem Mund platzt es aus ihm heraus.

Wolfgang: „Ich könnte erbrechen. Nicht wegen dem Essen hier, das ist wirklich großartig. Aber die Tafelrunde, die macht mich wirklich kirre!“

Wolfgang tupft sich den Mund ab, legt die befleckte Stoffserviette neben seinen Teller und fährt fort.

Wolfgang: „Alle wollen was verändern. Alle sind der gleichen Überzeugung wie wir. Aber zu faul mal einen Artikel zu teilen! Oder sie haben Angst, der Freundeskreis würde sie als verschwörungstheoretische Spinner abstempeln. Ich mache mich zum Affen, aber Graf Koks ist sich zu fein für die Revolution!“

Ich: „Kenn‘ ich!“

Wolfgang: „Oder aber sie sind der Überzeugung, dass wir ja doch nix ausrichten können.“

Ich: „Das sind die Schlimmsten!“

Wolfgang: „Außerdem brauchen wir Kapital für die Umsetzung des „Projektes Kaiser Rocky“, denn es bedarf eines enormen Aufwands an Forschung, EDV und Aufklärungskampagnen.“

Ich: „Du hast doch genug.“

Jetzt muss ich grinsen, denn wie wir alle wissen, ist Wolfgang finanziell ganz gut aufgestellt. Häuschen in Frohnau, zwei Chevis und eine Küche, die vermutlich soviel gekostet hat wie ein Mittelklassewagen.

Wolfgang: „Paperlapapp. Solange ich keine Reichensteuer zahlen muss, gehöre ich zum Mittelstand und die Steuernachzahlungen sind auch nicht ohne … Und dieser rollende Schwätzer, diese schwarze Null, hat ein Gesetzt geschaffen, das die Banken bis zum 21.03.2016 selbstverständlich im Auftrag der EU umsetzen mussten und das meine Arbeit auch nicht gerade einfacher macht.“

Ich: „Naja, ich sag ja, Revolution!“

Wolfgang: „Ja, ja, Revolution! Aber andere Frage: Wie machst Du das? Ich meine, das Essen hier ist ja nicht billig, Du trägst nur noch Armani, Lacoste und Boss.“

Lacoste und so.
Ich & Lacoste

Ich: „Ich mach jetzt in Rotlicht.“

Wolfgang: „Nääää…“

Ich: „Doch!“

Wolfgang: „Und das läuft?“

Ich: „Ja. Heute Abend schon was vor?“

Wolfgang: „Ne, also ja, Du weißt schon, Traumfrau und so.“

Ich: „Ach, die hast Du mitgebracht?“

Wolfgang: „Ja, natürlich nicht!“

Ich: „Wo ist dann das Problem?“

Wolfgang: „Alex, ich kann am anderen Ende der Welt sein, sobald ich auch nur an eine andere Frau denke, merkt sie das sofort. Das ist Telepathie. Unfassbar.“

Noch bevor ich antworten kann, klingelt Wolfgangs Handy.

Wolfgang am Telefon: „Hallo Traumfrau, ja, nein, mit Alex! Versprochen, ich bleibe anständig…“

Ich: „Oha!“

Wolfgang: „Siehste, ich hab nicht mal eine Chance!“

Ich: „Tja, selbst ausgesucht würde ich sagen.“

Wolfgang: „Okay, Alex. Also wie ist das mit dem Rotlicht hier?“

Ich: „Super! Läuft wie geschnitten Brot. Und wir machen ja Fairtrade Escort. Da sind die Kunden zufrieden, die Damen zufrieden und ich bin es auch.“

Wolfgang: „Was ist Fairtrade Escort?“

Ich: „Naja, ich zeig Dir das mal, Moment.“

So geht Fairtrade Escort
So geht Fairtrade Escort

Wolfgang: „Aaaah, so geht das! Das klingt vernünftig. Ist ja auch sowas wie eine Revolution, nur im waagerechten Bereich!“

Ich: „Ja, wir wollen den  Markt revolutionieren. Wir bieten zum Beispiel die anonyme Zahlungsmethode Bitcoin an. Aber im Grunde genommen geht es darum, die Mädchen fair zu behandeln, genauso wie die Kunden.

Wolfgang: „Du hast es gut! Den ganzen Tag von wunderschönen Mädchen umgeben, das würde ich auch gerne…“

Wieder klingelt sein iPhone doch der Kaiser drückt den Anruf weg.

Ich: „Kannst einsteigen, wenn Du willst. Wir eröffenen demnächst eine Filiale auf Mallorca. Da biste doch andauernd. Und das Investment ist hochprofitabel.“

Wolfgang: „Ne Du, lass mal. Wenn Traumfrau das mitbekommt, dann kann ich mir eine neue Frau suchen!“

Ich: „Ich hätte ein paar im Angebot!“

Wolfgang (lacht): „Na dann lass uns doch mal schauen mit was für fürchterliche Dinge Du armer Mensch Dich hier Tag und Nacht rumschlagen musst.“

Der Rest des Abends ist nicht für die Öffentlichkeit bestimmt, ebenso wenig wie der Rest unseres Gespräches. Es bleibt aber festzuhalten, dass Wolfgang zufrieden und wohlbehalten zurück auf die Insel gekommen ist. Und er lebt noch. Jedenfalls hat mir das seine Traumfrau am Telefon bestätigt.

Kommentar verfassen