Die Frankfurter Allgemeine Zeitung gilt als das wohl seriöseste Printmedium in Deutschland. Jahrzehntelang warb sie damit, dass hinter ihr immer ein kluger Kopf stecke. Doch wenn es um die AfD und deren Personal geht, dann scheint sie von denselben Reflexen geplagt zu sein wie die anderen Qualitätsmedien. Das zeigt zumindest das Gauland-Gate.

Passend zur EM-Vorbereitung der deutschen Fußball-Nationalmannschaft titelt die FAZ, Alexander Gauland habe Nationalspieler Jérôme Boateng beleidigt. Natürlich, wie es bei der AfD nicht anders sein kann, auf rassistische Art und Weise. Ebenso natürlich nehmen andere Medien den neuesten Rassistenbeweis dankbar auf und das politische Establishment der Berufsempörten freut sich über eine weitere Portion Sprachdiarrhoe eines AfD-Funktionärs. A Özdemir twittert sogar, er würde lieber neben Boateng als neben Gauland wohnen. Ich würde auch lieber neben Özdemir statt neben Merkel wohnen, werde aber beides zu verhindern wissen. Lieber X als Y ist eben nicht sonderlich vorteilhaft für X.

Die beiden FAS-Redakteure Eckart Lohse und Markus Wehner haben in diesem Hintergrundgespräch über das Fremde in Deutschland und den Umgang der AfD mit dem Islam und dem Christentum, dann selbst Jérôme Boateng ins Spiel gebracht. Das erwähnen Sie in dem FAZ-Artikel jedoch nicht, sondern erwecken den Eindruck, es wäre Gauland gewesen. Doch nicht nur dass es den journalistischen Gepflogenheiten in Deutschland widerspricht, ohne vorherige Autorisierung Inhalte aus Hintergrundgesprächen zu veröffentlichen. Die beiden Redakteure wählen ausgerechnet jemanden aus, der eine deutsche Mutter hat, im gutbürgerlichen Charlottenburg geboren und aufgewachsen ist und überzeugter Christ ist. Sogar als Beispiel für perfekte Integration taugt der beste deutsche Innenverteidiger seit Jürgen Kohler nicht mal im Ansatz. Boateng musste sich nie integrieren und war auch nie fremd in Deutschland. Das ist entweder von unglaublicher Dämlichkeit, oder Wehner und Eckart wollten – passend zur Fußball-Europameisterschaft – Gauland mit einem Prominenten in eine rhetorische Falle locken. Auch wenn Letzteres sicherlich die Auflage steigern würde, bin ich dennoch dazu geneigt, Ersteres zu glauben.

Die rassistische Beleidigung kommt von Wehner und Eckart

Die Aussage, die Leute würden Boateng als Fußballer gut finden, einen Boateng aber nicht als Nachbarn mögen, enthält von demjenigen, der diese Aussage trifft, weder eine Beleidigung des Nationalspielers, noch ist sie rassistisch. Denn Gauland beschreibt hier lediglich den von ihm beobachteten Status Quo. Er selbst äußert weder, dass er zu diesen Leuten gehöre, noch dass er dieser Auffassung zustimmt. Die eigentliche rassistische Beleidigung kommt von Wehner und Eckart, die Boateng nur aufgrund seiner Hautfarbe ins Spiel bringen und von seiner Herkunft offensichtlich nicht den Hauch einer Ahnung haben.

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